Deutsche Kolonien

(amtliche Bezeichnung: Deutsche Schutzgebiete)

 

Wer weiss heutzutage noch, dass auch Deutschland einst Kolonien in Übersee besaß?

1870 war nach langer Zersplitterung der deutschen Staaten ein neues Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. mit dem "eisernen Kanzler" Otto von Bismarck entstanden: das Zweite Deutsche Reich. Dies war wesentliche Voraussetzung für die in den achtziger Jahren betriebene Kolonial- und Großmachtpolitik.

In den ersten Jahren des Kaiserreiches lehnte Bismarck noch Angebote fremder Mächte ab, an Deutschland Kolonien zu verkaufen. So wurde ihm 1871 das französische Hinterindien angeboten und 1876 Transvaal. Das junge Reich musste erst noch gefestigt werden, bevor die Expansion weiterging. Auch war Bismarck wohl der Ansicht, dass nur geringe wirtschaftliche Vorteile, aber erhebliche politische Störungen insbesondere mit den etablierten Kolonialmächten England und Frankreich zu erwarten wären.

Folglich wurden die ersten Gründungen in Übersee nicht durch das Kaiserreich initiiert, sondern durch ausgewanderte Privatpersonen, Kaufleute und Handelsgesellschaften.

Erst 1884 stellte der Reichskanzler mehrere Besitzungen deutscher Kaufleute - nach englischem Vorbild - unter den Schutz des Deutschen Reiches. Durch diesen Akt wurden diese Gebiete deutsches Staatsgebiet (im Gegensatz zu den deutschen Auslandspostämtern, die in politisch selbständigen Ländern entstanden, in denen es keine organisierten Postsysteme gab). Auslöser dieses Umdenkungsprozesses dürfte das aufkommende "Kolonialfieber" in der deutschen Bevölkerung gewesen sein. Auch sollte mit diesem kolonialen Experiment der Auswanderungsstrom nach Amerika in eigene Kolonien umgelenkt werden. In dieser Zeit war die Welt schon nahezu aufgeteilt, nur der schwarze Kontintent und die Inselwelt der Südsee waren noch teilweise für Kolonisierungen frei.

Zunächst sollte die Verwaltung dieser Schutzgebiete von privaten Organisationen, die mit staatlichen Schutzbriefen ausgestattet wurden, übernommen werden. Staatliche Interventionen sollten auf ein finanzielles und organisatorisches Mindestmaß reduziert bleiben. Die prekäre Sicherheitslage in den Überseegebieten aber auch die schlechte Finanzlage der Kolonien zwang das Kaiserreich bereits nach kurzer Zeit, alle Kolonien direkt und formell dem Deutschen Reich zu unterstellen.

Nach der Entlassung Bismarcks (1890) betrieb Kaiser Wilhelm II. eine imperialistische Kolonialpolitik verbunden mit einer forcierten Aufrüstung der "Kaiserlichen Marine". Die Kolonien wurden nun nicht nur als Handelsplätze sondern als militärische Stützpunkte betrachtet. Das Deutsche Reich trat in scharfe Konkurrenz zu anderen Großmächten. Der Besitz von Kolonien sollte dem Kaiserreich zur "Weltgeltung" verhelfen.

Ursprünglich als Handelsvertretungen gegründet, verschlangen die Verwaltungen der Kolonien immer höhere Subventionen. Letztlich kosteten die deutschen Schutzgebiete mehr, als sie je einbrachten. Von Entwicklungshilfe kann hier nicht gesprochen werden, denn es wurden eigene Interessen verfolgt. In einigen Gebieten kam es zu Aufständen, die mit Waffengewalt niedergeschlagen wurden. Dennoch profitierten diese Gebiete nachhaltig durch die Aufbauarbeit der Deutschen.

Der I. Weltkrieg traf die deutschen Kolonien völlig unvorbereitet. Man vertraute auf die Kongoakte von 1885. Nach dieser sollten im Falle eines europäischen Konfliktes die Kolonien neutrales Gebiet bleiben. Die Realität sah jedoch anders aus.

1918 mit Ende des I. Weltkrieges musste Deutschland im Versailler Vertrag auf alle Rechte, Ansprüche und Vorrechte außerhalb seiner europäischen Grenzen, insbesondere auch auf seine überseeischen Besitzungen verzichten. Ferner verpflichtete sich Deutschland, seine Angehörigen wegen der Liquidation dieser Güter und Rechte selbst zu entschädigen.

Rückblickend und aus deutscher Sicht betrachtet war es wohl ein Glücksfall, das die Welt 1870 schon nahezu aufgeteilt war, den so wurde die deutsche Kolonialpolitik auf wenige Gebiete begrenzt. Auch blieben den Deutschen viele Probleme erspart, die andere Staaten mit ihren Kolonien hatten.

Heutzutage ist die Epoche der Deutschen Kolonialisierung nahezu vergessen. Dennoch ist dies ein Teil deutscher Geschichte. Auf den nachfolgenden Seiten sehen Sie Postwertzeichen aus dieser exotischen Zeit. Obwohl diese Briefmarken schon über hundert Jahre alt sind, aus den entferntesten Regionen stammen und teils abenteurliche Wege zurück legten, sind diese Marken auch heute noch gut erhältlich. Teilweise handelt es sich aber auch um ausgesuchte Raritäten. Diese Postwertzeichen sind wichtige Zeitdokumente und dienen der historisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung. Sie belegen einen spannenden Abschnitt deutscher Geschichte.

 

Die Gliederung wurde geographisch vorgenommen:

1. Deutsche Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent:

1.1 Ostafrika

1.2 Deutsch-Südwestafrika

1.3 Kamerun

1.4 Togo

 

 

 

2. Deutsche Kolonien in der Südsee:

2.1 Deutsch Neuguinea

2.2 Karolinen

2.3 Marianen

2.4 Marshall-Inseln

2.5 Samoa

 

 

3. Deutsche Kolonie Kiautschou

 

 

Neu-Ulm, 19.07.2008

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