Fälschungen der Deutschen Kolonien und Auslandspostämter

 

Die Marken der Deutschen Kolonien und Auslandspostämter sind sehr beliebt. Aber es gibt viele Fälschungen.

Stempel- und Aufdruckfälschungen überwiegen, Ganzfälschungen sind selten, Fälschungen von Prüfzeichen nehmen zu. Manipulationen (Nachzähnungen, Reparaturen usw.) sind nicht häufiger als bei anderen Sammelgebieten.

Marken, die gestempelt deutlich teurer sind als ungebraucht, sollten nur mit aktueller Prüfung gekauft werden. Ebenso Marken und Briefe/Briefstücke mit seltenen Stempeln. Die Warnhinweise im Michelkatalog stehen dort nicht zum Spass.

 

Stempelfälschungen:

VL 39b

Stempelfälschung LAMU, wahrscheinlich handgezeichnet. Als Vorlage dienen die Stempelhandbücher der Arge Dt. Kolonien, Friedemann/Wittmann oder Steuer. Urmarke ist echt. Der Fälscher kauft sie ungebraucht ohne Gummierung billig. Briefstücke täuschen Authentizität vor.

Bei Vorläufern, die gestempelt selten sind, ist ein BPP-Attest ein Muss!

 

DNG MiNr. 16, 18, 19

Stempelfälschung EITAPE und DEUTSCHE SEEPOST: Stempelbild ziegt deutliche Abweichung zum Original, oft liegen die Daten ausserhalb der Verwendungszeit.

Besonders stark gefährdet sind die Markwerte der Yachtausgabe; der Wert für ungebraucht liegt deutlich unter dem der gestempelten Marken.

 

Stempelfälschung Tsintau

 

Aufdruckfälschungen:

DAP Türkei MiNr. 7

Aufdruckfälschungen sind oft an der primitiven Machart erkennbar. In vielen Fällen werden gebrauchte Reichspostmarken mit den Wertangaben bzw. dem Namen der Kolonie überdruckt.

Der Fälscherfantasie sind keine Grenzen gesetzt, hier wurde der Aufdruck verkehrt herum angebracht.

Die Aufdrucke MiNr. 1 - 5 der Dt. Post in der Türkei existieren als Nachdruck (siehe Michel-Deutschland-Spezial). Diese Nachdrucke gibt es mit Falschstempel bzw. sie werden als Originalmarken angeboten.

 

DAP China MiNr. 1

Der linke Überdruck ist sehr primitiv ausgeführt. Der Reichspoststempel ist gut erkennbar. Der mittlere Überdruck ist gefährlicher, allerdings stimmt der Aufdruckwinkel nicht: 45 Grad (Type I = diagonal) bzw. 56 Grad (Type II = steil). Vergleiche dazu die echte rechte Marke: MiNr. 1 II. Der Aufdruck ist feiner und dunkler in der Ausführung.

 

DAP Türkei MiNr. 4

Links eine primitive Fälschung: der Buchstabe " T " fehlt, der Stempel ähnelt nur entfernt dem Original. Rechts zum Vergleich eine echte MiNr. 5.

 

 

Manipulationen:

Nachgummierung

DAP Türkei MiNr. 4

Die Nachgummierung ist deutlich an den Zahnspitzen zu erkennen: Sie sind dunkel verfärbt. Die neue Gummierung hat sich an den losen Papierfasern festgesetzt.

Nachgummierungen lohnen sich in der Regel bei Aufdruckmarken, dort ist das Angebot an postfrischen Werten gering.

 

Nachzähnung

DAP Türkei MiNr. 10

Nachgezähnte Marken sind an der ungleichmässigen Zähnung an den Ecken erkennbar. Da alle Kolonialmarken kammgezähnt sind, müssen auch die gegenüberliegenden Zahnreihen parallel verlaufen (Ausnahme: versetzter Kammschlag).

 

 

Farbmanipulationen

Immer wieder werden "seltene und bisher unbekannte Farben" bei diversen Onlineauktionen angeboten, hierbei handelt es sich schlicht um Betrügereien.  Marken wie im Bild oben, links die verfälschte und rechts das original, wurden meist mit chemischen Mitteln behandelt und die Farben mittels RedOx - Reagenzien wie Wasserstoff Peroxid, ... verändert. (gelb + blau = grün, d.h. wurde der gelbe Farbanteil zerstört.)

Auch intensive Bestrahlung (Sonnenlicht, ...) kann derartige Veränderungen herbeiführen.

Bei "naßchemisch" veränderten Marken, wie bei der im Bild oben fehlt immer die Originalgummierung!

Derartige Fälschungen sind bei der Dt. Reich Nummer 55P relativ häufig, den Sonderdruck 5 Pfennig Reichspost in blauer Farbe (anstatt grün) gibt es nämlich wirklich, jedoch sind Fälschungen meist leicht zu erkennen, da so gefälschte Marken immer einen Grünstich haben.

Ganzfälschungen:

Kiautschou MiNr. 3

Ganzfälschungen der Kolonialmarken sind selten. Manchmal werden Ausschnitte aus Vordruckalben als "ungezähnte Schwarzdrucke" angeboten.

Hier ist die Linienzähnung der wichtigste Hinweis auf die Fälschung. Ein Kehrdruck des Aufdruckes ist ebenfalls unmöglich. Auf dem Original ist die Wertangabe durchgestrichen.

 

Prüfzeichenfälschungen:

Alle Signaturen der Kolonialprüfer sind als Fälschungen bekannt. Altprüfer haben keine Stempel geprüft bzw. ihr Signum anders gesetzt, als heute üblich ist. Beim Kauf immer auf einer Echtheitsgarantie bestehen.

 

Augen auf beim Internet-Kauf:

Viele Fälschungen sind leicht erkennbar. Aber bei Käufen im Internet verleitet oft ein günstiger Ansatzpreis und ein schlechtes Bild zu Spontankäufen, die später bereut werden. Wer Deutsche Kolonien sammeln will, ist gut beraten, sich Spezialliteratur und Stempelkataloge zu besorgen, bevor er mit dem Kaufen loslegt. Die Mitgliedschaft in der ArGe Deutsche Kolonien www.ag-deutsche-kolonien.de kann ich ebenfalls sehr empfehlen.

Falls Sie die Beschreibung für missverständlich oder falsch halten oder selbst Bilder von weiteren Fälschungen haben, wenden Sie sich bitte an den Webmaster oder an mich. Wir ergänzen gerne die Informationen unter Nennung Ihres Namens.

03. August 2008

Lars Boettger, BDPh-Bundesstellenleiter Fälschungsbekämpfung